
Theater ist die Magie des Augenblicks.
Theater – das ist für mich ein Ritual, bei dem Geschichten gemeinsam erlebt werden. Geschichten darüber, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.
Theater kann für mich überall stattfinden, nicht nur in geschlossenen Bühnenräumen. Ich habe in Schauspielhäusern und Opern genauso inszeniert wie in Kirchenruinen, im Wald, in einer verfallenen Montagehalle des Militärs, einem stillgelegten Kuhstall, einem menschenleeren Hotel oder einem Steinbruch.
Im Theater bin ich im Hier und Jetzt. Die Zeit steht für mich still, ich kann alles um mich herum vergessen und gleichzeitig ganz bei mir sein. Ich kann mithilfe meiner Fantasie neue Welten betreten, in einem Spiel aus „Was wäre, wenn“ die Gedanken schweifen lassen, Positionen in Frage stellen, innerlich mit mir diskutieren und Haltungen schärfen. Ich kann mich an etwas erinnern, das ich lange vergessen zu haben glaubte, kann plötzlich Menschen begreifen, die mir bisher ein Rätsel waren.
Theater hat für mich immer etwas mit Schönheit zu tun. Die Schönheit der Sprache, der Musik, der Bewegung, des Raumes, der Natur, des Körpers, des Sinns.
Für mich ist Theater nicht nur ein Ort der Reflektion und der Analyse. Gerade in finsteren Zeiten, die von Krieg und Zerstörung geprägt sind, soll das Theater nicht nur ein Raum für Klage und Dystopie sein, sondern kann auch Raum für Utopien bieten. Hier haben wir die Möglichkeit, auszuprobieren, zu formulieren, wofür wir sind, nicht nur wogegen. Wir können in Austausch mit anderen Künsten und Disziplinen gehen, mit Philosophen, Geistlichen, Wissenschaftlern, Politikern, um mit ihnen davon zu sprechen, was uns verbindet und was es für Möglichkeiten gibt, dem scheinbar Unentrinnbaren etwas entgegenzusetzen. In was für einer Welt wollen wir leben? Wir können sie mithilfe der Künste mitgestalten – davon bin ich überzeugt.












